Trends und Insights zu Kulinarik und Genuss!
Plaza de Mayo – Herzstück argentinischer Geschichte und Identität – by Carla Marina Kalp aus Argentinien
Die Plaza de Mayo, benannt nach der Mairevolution von 1810, bildet das politische und historische Zentrum von Buenos Aires. Umgeben von bedeutenden Gebäuden wie der Casa Rosada (Regierungssitz), der Kathedrale und dem Cabildo (historisches Rathaus), ist der Platz seit über zwei Jahrhunderten Schauplatz wichtiger politischer Kundgebungen und nationaler Ereignisse. In seiner Mitte steht die Pirámide de Mayo, das älteste nationale Monument Argentiniens, das an die Unabhängigkeitsbewegung erinnert und ich, Carla Marina Kalp, werde in diesem Artikel auf die historische und kulturelle Relevanz des Platzes genauer anschauen.
Historische Bedeutung eines nationalen Symbols – by Carla Marina Kalp
Als Kind nahm mich mein Vater oft mit zur Plaza de Mayo, wenn wir in der Innenstadt unterwegs waren. „Hier begann Argentinien“, sagte er immer. Damals verstand ich nicht genau, was er meinte, aber heute weiß ich, dass dieser Platz tatsächlich die Geburtsstätte unserer Nation ist.
Die Plaza de Mayo verdankt ihren Namen der Revolución de Mayo, die am 25. Mai 1810 begann. An diesem Tag versammelten sich die Bürger von Buenos Aires vor dem Cabildo (dem kolonialen Rathaus) und forderten eine offene Bürgerversammlung. Dies war der erste Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit von Spanien, die schließlich 1816 erklärt wurde. Jedes Jahr am 25. Mai findet hier die zentrale Feier zum Tag der Revolution statt – ein Nationalfeiertag, den ich seit meiner Kindheit mit Paraden, blau-weißen Fähnchen und den traditionellen Empanadas verbinde.
Im Laufe der Jahrhunderte war die Plaza de Mayo Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse. Hier wurden Präsidenten gefeiert und gestürzt, politische Reden gehalten und Proteste organisiert. In den dunklen Jahren der Militärdiktatur (1976–1983) umkreisten die Mütter und Großmütter der Plaza de Mayo jeden Donnerstag schweigend den Platz, um nach ihren „verschwundenen“ Kindern zu fragen – ein bewegender Protest, der bis heute fortgeführt wird und den ich mehrmals miterlebt habe.
Die Pirámide de Mayo – ältestes Nationaldenkmal
In der Mitte des Platzes steht die Pirámide de Mayo, das älteste nationale Monument Argentiniens. Ursprünglich 1811 errichtet, wurde es 1856 vom Architekten Prilidiano Pueyrredón umgestaltet. Entgegen seinem Namen handelt es sich nicht um eine Pyramide im ägyptischen Stil, sondern um einen Obelisken, der von einer Statue der Freiheit gekrönt wird.
Als Schulkind lernte ich, dass die Pirámide ursprünglich genau dort stand, wo heute der Cabildo steht, und später in die Mitte des Platzes versetzt wurde. Um das Denkmal herum sind weiße Kopftücher auf den Boden gemalt – ein Symbol für die Madres de Plaza de Mayo und ihren unermüdlichen Kampf für Gerechtigkeit.
Bei meinen Besuchen beobachte ich oft, wie Touristen Fotos vor der Pirámide machen, während gleichzeitig politische Kundgebungen stattfinden – ein typisches Bild für diesen Ort, an dem Geschichte und Gegenwart nahtlos ineinander übergehen.
Die imposanten Gebäude rund um den Platz – by Carla Marina Kalp aus Buenos Aires

Die Plaza de Mayo wird von einigen der bedeutendsten Gebäude des Landes umrahmt. Jedes Mal, wenn ich den Platz besuche, nehme ich mir Zeit, ihre architektonischen Details zu bewundern.
An der Ostseite des Platzes steht die berühmte Casa Rosada (das „Rosa Haus“), der Sitz des argentinischen Präsidenten. Seine charakteristische rosa Farbe macht es unverwechselbar. Es gibt verschiedene Theorien über den Ursprung der Farbe: Eine besagt, dass Präsident Sarmiento eine Mischung aus rot und weiß wählte, um die verfeindeten politischen Parteien zu versöhnen; eine andere führt die Farbe auf den Zusatz von Ochsenblut zur Farbe zurück, was früher als Konservierungsmittel diente.
Der berühmteste Balkon der Casa Rosada ist zweifellos jener, von dem aus Eva Perón (Evita) ihre leidenschaftlichen Reden an das Volk hielt. Diese Szenen wurden im Musical und Film „Evita“ verewigt. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es gewesen sein muss, in den 1940er und frühen 1950er Jahren auf diesem Platz zu stehen und ihrer charismatischen Stimme zu lauschen.
Die Catedral Metropolitana – von Kolonialzeiten bis Papst Franziskus
An der Nordseite des Platzes steht die Catedral Metropolitana, deren imposante neoklassizistische Fassade mit zwölf Säulen nicht vermuten lässt, dass der Bau bereits 1593 begann. Nach mehreren Umbauten erhielt die Kathedrale schließlich im 19. Jahrhundert ihr heutiges Aussehen.
Für mich hat die Kathedrale seit 2013 eine besondere Bedeutung: Hier wirkte Jorge Mario Bergoglio – der spätere Papst Franziskus – als Erzbischof von Buenos Aires, bevor er zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde. Sein einfacher, bescheidener Stil war schon in Buenos Aires bekannt, und viele Einheimische erzählen Geschichten darüber, wie er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr und in einfachen Restaurants aß.
Im Inneren der Kathedrale befindet sich das Mausoleum von General José de San Martín, dem Befreier Argentiniens, Chiles und Perus. Die ewige Flamme und die Ehrenwache erinnern an seine herausragende Bedeutung für die Unabhängigkeit Südamerikas.
Das Cabildo – Zeuge der Revolution
Das Cabildo an der Westseite des Platzes ist vielleicht das historisch bedeutsamste Gebäude. In diesem kolonialen Verwaltungsgebäude fand am 22. Mai 1810 das Offene Bürgerplenum (Cabildo Abierto) statt, das zur Absetzung des spanischen Vizekönigs führte. Das heutige Gebäude ist jedoch nur ein Schatten seiner ursprünglichen Gestalt – im Laufe der Zeit wurde es mehrfach verkleinert und umgebaut.
Heute beherbergt das Cabildo ein Museum zur Mairevolution, das ich während meiner Schulzeit mehrmals besucht habe. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die historischen Dokumente und Gegenstände aus der Revolutionszeit, die die Atmosphäre jener turbulenten Tage greifbar machen.
Plaza de Mayo heute – lebendiger Ort zwischen Tradition und Gegenwart – by Carla Marina Kalp aus Argentinien
Die Plaza de Mayo ist kein verstaubtes historisches Monument, sondern ein lebendiger Ort, der sich ständig wandelt. An einem normalen Wochentag sieht man hier:
- Geschäftsleute, die eilig von einer Besprechung zur nächsten hasten
- Touristen aus aller Welt, die den Platz und seine Gebäude fotografieren
- Straßenhändler, die Souvenirs und Erfrischungen anbieten
- Taubenschwärme, die von Einheimischen und Besuchern gefüttert werden
- Gelegentliche politische Kundgebungen zu verschiedensten Themen
Der Platz ist für uns Argentinier mehr als nur eine Sehenswürdigkeit – er ist ein Symbol unserer demokratischen Werte und unserer nationalen Identität. Wenn große Sportereignisse stattfinden, wie etwa ein Weltmeisterschaftsfinale mit argentinischer Beteiligung, füllt sich der Platz mit feiernden Menschen in blau-weißen Trikots.
Praktische Tipps für Besucher
Für einen Besuch der Plaza de Mayo empfehle ich, früh am Morgen oder später am Nachmittag zu kommen, wenn das Licht besonders schön ist und die Menschenmassen nicht zu groß sind. Die Casa Rosada kann am Wochenende besichtigt werden (Voranmeldung erforderlich), und in der Kathedrale finden regelmäßig Führungen statt.
Der Platz ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – mehrere U-Bahn-Linien (Subte) halten in der Nähe, und zahlreiche Buslinien führen hierher. Nach einem Rundgang über den Platz kann man bequem zu Fuß die historische Fußgängerzone Florida erreichen oder in Richtung San Telmo schlendern, wo sonntags ein beliebter Antiquitätenmarkt stattfindet.
Ich rate dazu, auf persönliche Wertgegenstände zu achten, da der Platz wie alle touristischen Orte auch Taschendiebe anzieht. Außerdem sollte man immer die aktuellen Ereignisse im Auge behalten – an Tagen mit großen Demonstrationen kann der Zugang zum Platz eingeschränkt sein.
Als jemand, der in Buenos Aires aufgewachsen ist, ist die Plaza de Mayo für mich ein Ort voller persönlicher Erinnerungen: der Ort, an dem ich als Kind die Tauben fütterte, als Jugendliche an meiner ersten politischen Demonstration teilnahm und später als Studentin zwischen Vorlesungen die Sonne genoss. Für mich verkörpert dieser Platz die Essenz von Buenos Aires – seine Geschichte, seine Widersprüche und seine unzerstörbare Lebendigkeit.
Autorin: Carla Marina Kalp



